Der Quasar 3C345
Eine spannende Geschichte: Die größten
Teleskopen dieser Welt entreißen den größten Energie-Monstern des
Universums, ihre letzten Geheimnisse.
Die hier gezeigte "Aufnahme" des Quasars 3C345 habe ich im Rahmen meiner Doktorarbeit angefertigt. An dieser
Stelle möchte ich über diese faszinierenden gewaltigsten Energie-Monster des Universums
und unsere mächtige Beobachtungstechnik mit einem
Riesen-Teleskop welches 4 mal so groß ist wie unsere Erde,
allgemeinverständlich berichten.
Am Ende gibt es eine Überraschung, die wir selbst so nicht erwartet hatten. (Einige Bilder können durch anklicken vergrößert werden)
Quasare: Die gewaltigsten Energie-Monster des Universums
Manche Galaxien strahlen in ihrem Kernbereich 100-1000 mal heller als alle in dieser Galaxie
vorhandenen Sterne zusammen. Dabei ist dieser Kernbereich gerade mal so groß wie unser
Sonnensystem, d.h. nur ca. ein 300 Millionstel der Größe der
gesamten Galaxie. Diese winzigen Galaxienkerne sind durch ihre immense Helligkeit
auch noch in extremen Entfernungen sichtbar, wohingegen die Sterne der Galaxie oftmals zu schwach
sind, um mit Teleskopen gesehen zu werden. Auf den ersten astronomischen
Aufnahmen sahen diese Objekte
deshalb wie Sterne (also punktförmig) aus, aber ihre
Entfernungsbestimmungen ergaben, daß es sich um Objekte handeln muß die Milliarden von Lichtjahren
(1 Lichtjahr ist die Entfernung die das Licht in einem Jahr zurücklegt) von unserer Heimatgalaxie entfernt liegen.
Somit konnten es keine Sterne sein (obwohl sie so aussahen), sondern es handelte sich um bis dahin völlig unbekannte astronomische Objekte.
Deshalb sind auch die Begriffe QUASAR und QSO entstanden, was soviel heißt wie Quasi-Stellare-Radioquelle bzw. Quasi-Stellares-Objekt.
Auf dem nächsten Bild sieht man den Quasar 3C345 als hellen Punkt in der Bildmitte, aufgenommen mit dem Hubble-Space-Teleskop.
Die diffuse "Wolke" um den hellen Punkt herum sind die rund 100 Milliarden Sterne der Galaxie.
Eine der drängensten Fragen der Astronomen war es, wie aus einem so winzigen Kerngebiet eine so ungeheuer große Energie
freigesetzt werden kann. Heute sind sich die Astronomen zu 99,9% sicher, daß diese Energie nur durch Umwandlung
von Gravitationsenergie erzeugt werden kann. Der eigentliche "Motor" ist ein super-massives Schwarzes Loch, welches
unaufhörlich Materie (z.B. Sterne) verschlingt. Hierbei werden die Sterne völlig zerrissen und kreisen als
Materie in einer Akkretionsscheibe um das Schwarze Loch herum (so ähnlich wie der Wasserstrudel um
den Badewannenabfluß). Diese Akkretionsscheibe ist im nächsten Bild als orange-gelber Strudel
dargestellt. Bevor das Schwarze Loch die Materie endgültig verschlingt, wird diese so sehr
beschleunigt und erhitzt, daß sie so hell leuchtet wie 1 Billionen Sonnen zusammen. Ein Stern wie unsere Sonne, der normalerweise
rund 10 Milliarden Jahre "lebt", wird von solch einem Schwarzen Loch in weniger als einem Jahr komplett verspeist.
Solange es Futter für das Schwarzes Loch gibt, wächst es unaufhörlich und kann die Masse von ein paar Milliarden Sonnen
erreichen.
Würde man so ein super-massives Schwarzes Loch "herstellen" wollen, müßte man rund 1 Billiarde Erden in einem Gebiet so groß
wie unser Sonnensystem, zusammenpressen.
Mächtige Plasma-Strahlen schießen aus Quasaren
Ein Teil der Materie die auf das schwarze Loch stürzt, kann diesem mit Hilfe sehr starker Magnetfelder entkommen und
wird in gewaltigen Plasma-Strahlen (Jets genannt) umgelenkt. Dabei schießt diese Materie fast
mit Lichtgeschwindigkeit aus dem Kernbereich der Galaxie heraus (siehe nächstes Bild).
Ganz im Innern dieses Bildes erkennt man die oben gezeigte Akkretionsscheibe. Der große orange-gefärbte
Torus besteht aus Staub. Je nachdem wie dieses System zur Erde
orientiert ist, sieht so ein aktiver Galaxienkern komplett anders aus. Im einen
Extremfall verdeckt der Staub-Torus die Akkretionsscheibe und den inneren Jet
komplett. Im anderen Extremfall schaut man direkt in den Jet
hinein. Bei Quasaren schaut man fast direkt in den Jet.
Ein Welt-Teleskop so groß wie die Erde
Da Quasare Milliarden von Lichtjahren von der Erde entfernt sind, bedarf es Teleskope mit höchster Auflösung,
um sich den Zentren dieser Energiemonster zu nähern. Zudem bestehen die Plasma-Jets aus Elektronen, Positronen und Protonen die sich fast
mit Lichtgeschwindigkeit bewegen. Dadurch senden diese unter anderem Radiowellen (Synchrotron Strahlung) aus,
die wir mit unserem Auge nicht sehen können. Nur ein Radioteleskop mit hunderten - tausenden Kilometern Durchmesser kann diese
Synchrotron Strahlung der Plasma-Jets sichtbar machen. Da ein solch großes Teleskop nicht gebaut werden kann, verwenden die
Radioastronomen eine genialen Trick:
Sie schalten Radioteleskope auf der ganzen Welt
zu einem synthetischen Riesen-Teleskop zusammen, wobei die einzelnen beteiligten Radioteleskope gleichzeitig(!) das zu untersuchende Objekt
beobachten. Später werden dann die aufgezeichneten Daten (in der Größenordung von Terra-Byte) in einem
Super-Computer wieder "zusammengefügt" (genauer: korreliert). Der Astronom kann dann danach
das eigentliche Bild des astronomischen Objektes, mit Hilfe bestimmter mathematischer Algorithmen, an einer Workstation
berechnen. Das so gewonnene Bild hat dann eine Auflösung, als ob man mit einem Teleskop beobachtet hätte, welches so
groß ist wie die gesamte Erde. Diese Technik heißt
Interferometrie auf Inter-Kontinentalen Basislängen (Auf Englisch
heißt das Very-Long-Baseline-Interferometry, abgekürzt:
VLBI)
Die folgenden drei Bilder zeigen von links nach rechts wie Radioastronomen mit ihren Teleskopen zu höchsten Auflösungen kommen.
Links ist eines der größten vollbeweglichen Radioteleskope der Welt zu sehen. Es handelt sich dabei um das Radioteleskop in
Effelsberg bei Bonn, Deutschland mit einem Durchmesser von 100m. In der mitte sind die Radioteleskope des
Very-Large-Array in New Mexico, USA, zu sehen, mit denen auch der Film 'Contact' gedreht wurde. Durch Umsetzen und Zusammenschalten
aller 27 Teleskope mit jeweils 25m Durchmesser kann ein Teleskop mit einem Durchmesser von bis zu 36km synthetisiert werden. Rechts ist eine weltweite Auswahl
von Radioteleskopen zu sehen die prinzipiell für VLBI Beobachtungen verwendet werden können. Hieraus ergibt sich ein synthetisiertes
Teleskop mit einem Durchmesser von bis zu 10.000km.
Das Welt-Teleskop nähert sich dem Monster
Durch das Zusammenschalten von 38 Radioteleskopen weltweit, konnte der Plasma-Jets des Quasars 3C345 sichtbar gemacht werden
(siehe nächstes Bild).
Der hier gezeigte Jet entsteht in der Nähe eines super-massiven Schwarzen Lochs. In der linken unteren Ecke ist
der beobachtbare Ausgangspunkt (der rote runde Bereich) des Plasma-Jets zu erkennen. Weiter kann man bei
der verwendeten Wellenlänge von 6cm nicht in den Jet hineinschauen, da dieser dann optisch dick wird. D.h., die Materie
wird dann so dicht, daß die Strahlung den Jet bei dieser Frequenz nicht mehr durchdringen kann. Auch die Akkretionsscheibe und
das schwarze Loch bleiben unsichtbar. Nur bei noch kleineren Wellenlängen kann man tiefer in den Jet hineinschauen und sich dem tatsächlichen Ursprung des
Jets nähern. Die Farben geben hierbei die Stärke der Strahlung an und sind von
stark bis schwach wie folgt kodiert: rot - gelb - grün - blau - violett.
Diese Aufnahme zeigt somit deutlich, daß der Plasma-Strahl immer diffuser und schwächer wird je weiter man sich vom Kernbereich
entfernt.Weiterhin erkennt man an dieser Aufnahme, daß der
Jet nicht geradlinig, sondern gekrümmt ist, was diesen Jet für weitere Untersuchungen besonders interessant macht.
Für diese Aufnahme wurden übrigens folgende Teleskope verwendet:
Das 100m Radioteleskop in Effelsberg, das
Very-Large-Array mit 27 Teleskopen und das
Very-Long-Baseline-Array mit 10 Teleskopen die
über die ganze USA verteilt sind.
Die Welt ist nicht genug!
- Ein Teleskop 4 mal so groß wie die Erde -
Um eine noch höhere Auflösung zu erhalten (d.h.: um noch mehr Details des Plasma-Jets enthüllen zu können)
reicht ein Teleskop vom Durchmesser unserer Erde nicht mehr aus. Hierzu muß
man ein Radioteleskop im Weltraum stationieren und mit den anderen Teleskopen auf der Erde zusammenschalten.
Genau so ein Weltraum-Radioteleskop (HALCA) haben die Japaner gebaut
und erfolgreich in den Weltraum gebracht.
(Künstlerisches Bild: Durch das Zusammenschalten von Radioteleskopen auf der Erde mit dem Weltraum-Radioteleskop HALCA
ergibt sich ein Riesen-Teleskop mit 4-fachem Erd-Durchmesser, angedeutet durch die blaue Teleskop-Fläche.
Das Weltraum-Radioteleskop, oben rechts, ist hier vergrößert dargestellt und hat einen Durchmesser von 8m. Das hier
gezeigte Bild stammt von der VSOP Homepage)
Die dramatische Verbesserung der Auflösung, durch Hinzunahme des Weltraum-Teleskops HALCA,
zusätzlich zu den 38 Teleskopen auf der Erde, ist im nächsten Bild links zu sehen.
Die Auflösung konnte um das drei bis vierfache erhöht werden und das bestechende Ergebnis ist sofort zu erkennen!
Während die rechte Aufnahme der erdgebundenen Radioteleskope
den Entstehungsort des sichtbaren Jets als eine Ellipse erkennen läßt (im rechten Bild der runde rote Bereich),
kann man mit Hinzunahme des Weltraum-Radioteleskops in diesen Bereich hinein zoomen. Es handelt sich also nicht bloß
um ein kompaktes Gebiet im Jet, sondern um mehrere Plasma-Komponenten, welche als orange und türkise Ellipsen
sichtbar gemacht werden können. In den nächsten Abschnitten zeige
ich, wie wir durch die Untersuchung dieser Plasma-Komponenten dem Quasar 3C345
ein ungewöhnliches Geheimnis entlocken konnten!
Plasma-Komponenten schießen herraus
Wir haben den Quasar 3C345 über viele Jahre hinweg immer wieder mit unserer mächtigen Beobachtungsmethode angeschaut und konnten dadurch
das herausschießen verschiedener Plasma-Komponenten (Blobs) nachweisen. Sehr gut zu sehen ist die Bewegung dieser Blobs bei
vier Beobachtungen von November 1997 bis August 1999, welche im folgenden Bild dargestellt sind. Um die Bewegung der Komponenten
besser erkennen zu können, wurde jeweils die gleiche Komponente (z.B. C9) zwischen den vier Beobachtungen durch rote Linien verbunden.
Ganz links ist der stationäre Kern zu erkennen und rechts davon die Komponenten C7-C10. Wenn man die Beobachtung von Januar 1998 mit der von
Februar 1999 vergleicht, sieht man
sehr deutlich, daß die Komponenten C9 und C10 nicht auf einer Linie mit dem Kern liegen. Vielmehr hat jede Plasma-Komponente ihre eigene Bahn.
Diese Erkenntnis wird es u.a. sein, die diesem Quasare sein Geheimnis entlockt... in wenigen Minuten werde ich auch zeigen warum...
Neben den kinematischen Bahnen der Komponenten ist natürlich auch ihre Helligkeit extrem wichtig. Die gewählten Farben in diesem Bild entsprechen der
Radio-Helligkeit des Jets, und wurden von "stark" nach "schwach" folgendermaßen kodiert: weiß - rot - gelb - grün - blau - violett.
Somit sieht man z.B., daß die Komponente C9 von Januar 1988 bis August 1999 immer schwächer wurde. Die Messung dieser Beobachtungsgröße
liefert einen weiteren wichtigen Parameter um mehr über diesen Quasar zu lernen.
Ein FILM des Plasma-Jets im Quasar 3C345
Bevor ich zu der spannenden Frage komme, was hinter diesem Quasar steckt, möchte ich an dieser Stelle noch schnell einen Eindruck vermitteln
wie das Plasma aus dem Kernbereich herausgeschossen wird. Da wir inzwischen eine groß Anzahl von Beobachtungen dieses Quasars haben, ist es möglich
diese zu einem Film zusammenzufassen. Mit wenigstens drei (besser mehr) Beobachtungen pro Jahr kann leicht zwischen den einzelnen Bildern
interpoliert werden, so daß hieraus ein Film entsteht. Die Farben wurden so gewählt,
daß ein "Gefühl" für das ausströmende Plasma entsteht. Je heller die Farbe, desto heller ist auch die jeweilige Komponente bzw. der Kern.
Durch einen Klick auf das folgende Bild wird der Film als animiertes gif (1.2MB) geladen und gestartet.
Die Entdeckung des Unerwarteten im Quasar 3C345
1. Eine Besonderheit dieses Jets ist, daß er nahezu auf uns zu zeigt, und somit für uns viel kürzer erscheint als er in
Wirklichkeit ist. Hieraus ergibt sich ein sehr merkwürdiger Effekt. Die Plasma-Komponenten bewegen
sich scheinbar(!) mit 3 bis 20-facher Lichtgeschwindigkeit, weshalb man auch von "superluminal motion" spricht.
Aber Achtung: Die Plasma-Komponenten bewegen sich in dem Jet selbst "nur" mit etwa 99.9% der Lichtgeschwindigkeit. Da der Jet aber
fast auf uns zu zeigt und sich die Komponenten fast mit Lichtgeschwindigkeiten
bewegen, ergibt sich diese scheinbare Überlichtgeschwindigkeit
aus einem Projektionseffekt. Weiterhin haben wir herausgefunden, daß die
Plasmakomponenten beschleunigt werden, bis sie ihre individuelle maximale
Geschwindigkeit erreicht haben.
2.
Die Komponenten des Plasma-Jets folgen gekrümmten Bahnen, welche in dem folgenen Bild für die Komponenten C4-C11 dargestellt sind.
Vom linken oberen bis zum rechten unteren Quadranten ist dies quasi ein Zoom in den Jet, da die jüngeren Komponenten (z.B. C10) noch nicht so
einen weiten Weg zurückgelegt haben wie die älteren (z.B. C4 und C5). Auf den ersten Blick sehen die Bahnen alle verschieden aus,
aber auf den zweiten Blick sieht man, daß die Bahnen von C5 und C8 sehr
ähnlich sind (oberer rechter Quadrant). Bemerkenswert ist, daß C8
gleiche Bahnpunkte (Z.B. den Umkehrpunkt) ca. 9 Jahre nach C5 durchlaufen hat. Wie wir in wenigen Minuten sehen werden,
ist diese Entdeckung sehr wichtig! Übrigens, wenn man die Bahnen der
Plasma-Komponenten in das 3-dimensionale Bezugssystem des Jets umrechnet,
bewegen sich die Komponenten auf einer Helix, vergleichbar mit der DNA (der Erbsubstanz des Lebens).
3.
Die Plasma-Komponenten bewegen sich nicht nur auf verschiedenen Bahnen, sondern sie werden auch in unterschiedliche Richtungen
ausgestoßen. D.h., manche Komponenten werden mehr nach "oben" und manche mehr nach "unten" ausgestoßen. Für die
Komponenten C4-C11 konnte ich diesen Ausstoß-Winkel bestimmen und zu meiner großen Überraschung verändert sich
dieser mit einer Periode von ca. 9 Jahren! Zudem scheint der Ausstoß-Winkel im Mittel um
2.5 Grad pro Jahr größer zu werden! ... jetzt sind wir fast am Ziel ...
4.
Motiviert durch die Entdeckungen, daß die Bahn C8 neun Jahre nach C5 mit dieser ähnlich war, und daß der Ausstoß-Winkel
eine Periode von 9 Jahren zeigte, habe ich die maximale Fluss-Dichte (also die Helligkeit) der Komponenten untersucht. Jede Komponente wird nach
ihrem Erscheinen erst heller und dann dunkler. Für die Komponenten C10 und C11 konnte ich sogar 2 solcher Maxima beobachten.
Nachdem ich diese maximalen Fluss-Dichten gegen die Zeit aufgetragen hatte, ergab sich wiederrum eine Periode von ca. 9 Jahren!
Da der Jet aus einem Plasma besteht, welches sich nahezu mit Lichtgeschwindigkeit bewegt, wird die Strahlung durch einen relativistischen Effekt verstärkt,
wenn sich das Plasma auf uns zu bewegt. Im Gegensatz dazu wird die Strahlung schwächer wenn sich so eine Plasma-Komponente von uns wegbewegt.
Da ich in den Strahlungsmaxima der Jet-Komponenten eine 9 jährige Periode gefunden hatte, kann diese nur durch eine periodische geometrische
Veränderung des Jets verursacht werden. ..... aber wie paßt das jetzt alles zusammen???
Das Geheimnis des Quasars 3C345
Nachdem wir all unsere Daten zusammengetan haben und etliche Rechnungen, Diskussionen und Überlegungen folgten, glauben wir zu wissen
was es mit dem Quasar 3C345 auf sich hat. Scheinbar handelt es sich hierbei nicht um einen gewöhnlichen Quasar mit einem super-massiven
Schwarzen Loch. Vermutlich ist die Heimatgalaxie dieses Quasars aus der Verschmelzung zweier Galaxien hervor gegangen und, von denen jede
ein eigenes super-massives schwarzes Loch in ihrem Innern hatte. Beide Schwarzen Löcher können bei diesem Prozeß ein gravitativ gebundenes
System geformt haben, in welchem das schwerere der beiden Schwarzen Löcher eine Akkretionsscheibe hat die den Jet produziert. Das zweite,
etwas leichtere, Schwarze Loch zerrt an dem Größeren und zwingt
dieses zu einer periodischen Orbitalbewegung (Nächstes Bild). Wenn man die
Umlaufzeit dieser Orbitalbewegung relativistisch korrigiert, kommt man auf eine beobachtbare Periode von 9 Jahren.
Zudem führt die Akkretionsscheibe durch das zweite Schwarze Loch eine Präzessionsbewegung durch (Ähnlich dem Taumeln eines Kreisels).
Hierdurch ändert sich langsam der Ausstoß-Winkel der Jet-Komponenten. Die Berechnungen ergeben, daß diese Taumelbewegung sehr gut
mit dem beobachteten Anstieg des Ausstoß-Winkels um 2.5Grad/Jahr übereinstimmt.
Nur durch die mächtige VLBI-Beobachtungstechnik der Radioastronomen ist es möglich, dem Universum solch neuen Erkenntnisse zu entreißen.
In Zukunft wird die VLBI Technik weiterentwickelt werden, um mit noch höherer Auflösung und noch besserer Empfindlichkeit weitere
Geheimnisse des Universums zu entdecken. Der Interferometrie auf langen Basislängen gehört sicherlich
die Zukunft.
Es geht noch dichter ran ans Zentrum
Vielleicht ist der Quasar 3C345 gar nicht so ein Sonderling, und in vielen Quasaren und Galaxien schlummern zwei und mehr super-massive Schwarze Löcher.
Neue VLBI-Beobachtungen bei Wellenlängen von 3.4mm erlauben einen noch näheren Blick an das Zentrum dieser gewaltigsten Energie-Monster des
Universums. Mit dieser enormen Auflösung wäre es im Prinzip möglich eine Bierflasche auf dem Mond zu erkennen. Vielleicht werden weiterführende
Beobachtungen zeigen, daß die 9-jährige Periode im Quasar 3C345 eine ganz andere
Ursache hat??? Das Universum ist sicherlich noch voll
von vielen faszinierenden Überraschungen, die von uns Astronomen entdeckt werden können.
Veröffentlichungen:
Die von mir gemachte "Aufnahme" des Quasars 3C345 wurde unter anderem hier veröffentlicht:
Oben Links: Artikel in Science, Volume 287, 18 February 2000, Page 1195
Oben Mitte: Highlight Poster der VSOP Mission (Weltraum Mission für Interferometrie auf langen Basislinien)
Oben Rechts: Japanischer Kalender 2001 des Institute of Space and Astronautical Science, Sagamihara, Japan
Unten Links: Werbe-Poster für Weltraum-Interferometrie auf langen Basislinien
Unten Rechts: Konferenz Buch: Astrophysikalische Phänomene enthüllt durch Weltraum-Interferometrie auf langen Basislinien
Meine wissenschaftlichen Veröffentlichungen über diese Beobachtungen können hier eingesehen werden:
A sharper view into the parsec-scale jet of 3C345 (pdf, 444Kb)
The quasar 3C345 at highest resolution with mm- and space-VLBI (pdf, 296Kb)
Quasi-Periodic Changes in the Parsec-Scale Jet of 3C345 (pdf, 75Kb)
Link zu meiner Doktorarbeit
auf dem Server der Universität- und LandesBibliothek Bonn:
Titel der Doktorarbeit:
Quasi-Periodicity of the Parsec-Scale Jet in the Quasar 3C345
- A High Resolution Study using VSOP and VLBA -
(Die Arbeit ist dort sowohl komplett (pdf, 11.5 MB) als auch in Kapiteln unterteilt abrufbar. Wer eine langsame Internetverbindung
hat kann sich somit über das File "Content" einen Überblick über die Arbeit verschaffen, und dann gezielt ein entsprechendes
Kapitel aussuchen.)
pdf: Die Veröffentlichungen und die Doktorarbeit liegen im pdf-Format vor. Mit dem kostenlosen
von Adobe können die Dateien
angezeigt und ausgedruckt werden.
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